Klosterkirche Nordshausen










Fünf Jahre Klostergarten an der Klosterkirche Nordshausen

Ringelblume, Beifuss, Ysop und noch viel mehr - zur Klosterkirche Nordshausen gehörte einst ein Klostergarten. Eine Karte aus dem Jahr 1862 weist noch Reste des mittelalterlichen Geländes aus, das westlich des Turmes und vor dem ehemaligen Dormitorium des Klosters lag. Da dieser Bereich heute in Privatbesitz ist wurde in der Kirchengemeinde vor fünf Jahren mit der Anlage eines Klostergartens auf einer frei zugänglichen Südfläche zwischen Klosterkirche und der Bahnlinie der Naumburger Kleinbahn begonnen.

2003 wurden dort die Anfänge des jetzigen Klostergartens in einer ehemaligen Kleingartenparzelle mit einer Heil- und Küchenkräuterrosette gemacht. Für die Konzeption standen Martina Doll (Kunstwerkstatt Marbachshöhe), Martin Sulzbacher (Naturkostladen Querbeet) und Iris Hartmann (Pflanzenhof Nordshausen). Im Anschluss wurden zwei weitere Kleingartenflächen aus privater Nutzung zurück genommen und mit der Einfriedung im Stile eines Bauerngartens und der Anlage eines Arzneigartens als Schau- und Lehrgarten begonnen. Im Frühjahr 2004 stand das Kirchengelände einschließlich des Gartens im Mittelpunkt des "Tags der Erde", der mit seiner besonderer Atmosphäre 13 000 Besucher nach Nordshausen führte. "Du bereitest vor mir einen Tisch" hieß das Motto des Erlebnisparcours zum Psalm 23 im Klostergarten.

Eine EIBE-Klasse (zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt) gestaltete unter der Leitung von Anja Dorstewitz (Witzenhausen) und Christian Breindl (Schauenburg-Hoof) diesen Schau- und Lehrgarten im Jahr 2006 nach dem Vorbild alter Klostergärten. Insbesondere fällt die Gliederung nach acht verschiedenen Krankheitsbildern ins Auge, so haben z.B. die Themen "Wundbehandlung", "Haut- und Atemwegserkrankungen", "Frauenleiden" sowie "Magen- und Darmerkrankungen" jeweils eigene Beete erhalten. Der angelegte Garten soll sowohl die Gemeinde Nordshausen bereichern, als auch als Lehr- und Schaugarten für Schule und Ausbildung genutzt werden. Die EIBE-Klasse ist eine Klasse der Besonderen Bildungsgänge der Willy-Brandt-Schule (Berufsbildende Schule des Landkreises Kassel) und hat zum Ziel, Jugendliche zum Hauptschulabschluss zu führen und sie praxisbezogen auf eine Ausbildung vorzubereiten.

Achtsame Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingelanden, sich im Klostergarten auszuruhen und auch für den Eigenbedarf zu bedienen. Begeisterten Hobby-Fotografen bieten sich aus dem Garten mit Kräutern, Stauden und Obstbäumen schöne Ansichten und Fotomotive der Klosterkirche Nordshausen. Dass Gottes Gegenwart das menschliche Leben heilt, ist der symbolische Sinn dieser engen Nachbarschaft von Gottesdienst und Kräuterkunde auf dem Gelände der Gemeinde. Die Kirchengemeinde an der Klosterkirche feierte das fünfjährige Jubiläum des Klostergartens am Mittwoch, den 14. Mai 2008, um 15.00 Uhr mit einer kleinen Feierstunde (Am Klosterhof 13).

Ausblick: Wer Freude daran hat, den kleinen aber feinen Garten mit zu pflegen wende sich an das Evangelische Pfarramt (Tel.: 40 13 77). Außerdem sind Spenden herzlich willkommen, um die Erweiterung des Gartens um wetterfeste und dauerhafte Schilder zu ermöglichen (Spendenkonto: Evangelischer Stadtkirchenverband, Konto 220 02 01, BLZ 520 604 10, EKK, Stichwort: Klostergarten Klosterkirche Nordshausen)



Pressetext der Kirchengemeinde zum Klosterjubiläum (2.-4.11.2007)

Forschungen wieder aufgenommen: 750 Jahre Kloster Nordshausen

Die Gründungsurkunde datiert in das Jahr 1257, darin stiftete einst der mächtige auf der Schauenburg ansässige Graf Adalbert von Wallenstein der Gemeinschaft in "Nordshusen" ein Kloster. 750 Jahre später ist das einzigartige Ensemble ein vielfach noch immer unentdecktes Kleinod in Kassel. Die "Klosterkirche - Evangelische Kirchengemeinde Nordshausen und Brückenhof" beging das Jubiläum mit einem dreitägigen Veranstaltungszyklus unter der Leitung der Diplomtheologin und Kunstgeschichtlerin Karin Berkemann aus Marburg. Vom 2. bis zum 4. November 2007 feierten 440 Menschen in zwölf Veranstaltungen die Wurzeln der heutigen Kirchengemeinde, die sich zwischen dem alten Dorf Nordshausen und dem großstädtisch geprägten Stadtteil Oberzwehren-Brückenhof erstreckt. Der Fördervereins "Kultur- und Sozialzentrum Klosterkirche Nordshausen" hatte dazu in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde eine Fachtagung mit insgesamt 15 Referenten und Podiumsteilnehmern organisiert. Vorausgegangen waren in den vergangenen Jahren mit Sponsorenmitteln finanzierte Projekte zum Stand der Forschung in der Literatur und zur Baugeschichte. Endete schon die Untersuchung der Literatur mit dem spannenden Ergebnis, dass die Forschung zur Klosterkirche Nordshausen seit etwa 100 Jahren pausierte, so wurde dieser Stillstand mit Hilfe der Förderer überwunden. Das anschließende baugeschichtliche Forschungsvorhaben der Universität Heidelberg brachte zu Tage: Die romanischen Wurzeln der gut erhaltenen Kirche sind klar am Gebäude erkennbar und darüber hinaus acht weitere Bauphasen der Kirche zu belegen. Damit ist das Gebäude nach Worten des ehemaligen Direktors des Stadtmuseums Kassels, Karl-Herrmann Wegner, die "älteste mittelalterliche Kirche" und die "älteste romanische Architektur in Kassel". Die Besucher der Tagung blickten mit Grundsatzreferaten von Prof. em. Dr. Hans Schneider (Marburg) auf "Hessische Klöster in der Reformationszeit" und von Prof. Dr. Matthias Untermann (Heidelberg) auf die Baukunst der Zisterzienser, jeweils mit Blick auf das Kloster Nordshausen. Die wirtschaftliche Situation und die hohen Zinseinkünfte des Ordens wurden genauso kritisch in den Blick genommen wie die verkitschende Klosternostalgie der modernen Gesellschaft. Im dem mit Vertretern der Kasseler Stadtkultur besetzten Schlusspodium wurde erörtert, dass es ausgehend von einer lebendigen Gemeinde sinnvoll sei, die Klosterkirche in ihrer historischen und touristischen Bedeutung für die Region weiter zu entwickeln.

Pfarrer Dierk Glitzenhirn