Klosterkirche Nordshausen






Seit 1994 finden in der Klosterkirche Nordshausen Konzerte statt, seit 1999 regelmäßig monatlich. Der Schwerpunkt lag in der Anfangszeit auf alter Musik vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Aktuell wird ein breites musikalischen Spektrum dargeboten.

Im Dezember 2003 wurde die "Kulturstiftung Klosterkirche Nordshausen" gegründet, um die Konzertarbeit dauerhaft auf eine feste Grundlage zu stellen. Der harmonische, gotische Innenraum der Klosterkirche lädt vor allem zu kleinen konzertanten Formen ein (Gesang, Gitarre, Geige, Harfe, Flöte und Trompete). Die Konzerte werden in den verschiedenen Medien, so auch hier und im Internet-Veranstaltungskalender der Landeskirche angekündigt.

Falls Sie direkt nachfragen wollen oder selbst ein Konzertprogramm anbieten, wenden Sie sich bitte an das Evangelische Pfarramt Klosterkirche, Korbacher Str. 215, 34132 Kassel, Tel.: 0561 / 40 13 77, Fax: 400 900 09 oder nutzen Sie den Kontakbutton.


Konzertveranstaltungen 2009

13.9., 18:00 Uhr
Anika Hutschreuther, Barockgitarre

27.9., 17:00 Uhr
Chor "Con Brio", "Im Nebel ruhet noch die Welt" (Texte von Mörike in Vertonungen von Distler, Rheinberger, Bruch, u.a.)

4.10., 17:00 Uhr
Festkonzert zum 25jährigen Jubiläum des Posaunenchores der Klosterkirche: "Purcell in der Klosterkirche" (Mitwirkende: Posaunenchor der Klosterkirche und Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Kirchbauna)

1.11., 17:00 Uhr
Kasseler Akkordeonorchester

8.11., 10:00 Uhr
Festakt anläßlich des fünfjährigen Bestehens des Fördervereins für das Kultur- und Sozialzentrum Klosterkirche Nordshausen: Festgottesdienst mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein, danach Gespräche und Musikbeiträge des Gesangvereins Nordshausen und von Uta-Verena Kröhn (Orgel und Klavier), Abschluss um 13.00 Uhr mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Kirche

29.11., 17:00 Uhr
Benefizkonzert des Gesangvereins Nordshausen

13.12., 17:00 Uhr
Weihnachtsliedersingen




Die besondere Akustik der Klosterkirche Nordshausen - Musik in der Kirche

Ohne Mikrophon und Verstärkung versteht man von einigen Rednern in unserer Klosterkirche kein Wort. Spricht man jedoch tief und gut artikuliert langsam, so erreicht man jeden in der Kirche.

Bei der Kirchenmusik ist es wiederum anders.

Ein guter Chor erfüllt die Kirche mit seinem Klang. Die Sänger und Sängerinnen sind begeistert. Sie spüren, wie ihr Klang wieder zurückkommt. Man fühlt sich von dem Nachhall sanft umgeben. Die sängerischen Anstrengungen werden belohnt.

Die Musik unsere Posaunenchöre wird von manchen als zu laut empfunden. Diejenigen, die diese Musik mögen, sind begeistert und lieben diesen raumfüllenden Sound. Sie haben das Gefühl, als würde die Kirche vom Klang der Blechbläser getragen. Spielen ein oder zwei Blechbläser zusammen mit der Orgel von der Empore aus, so sind auch die empfindlicheren Ohren begeistert.

Kleine Streichensembles, Sologesang und alte Instrumente wie Cembalo, Positiv und Laute, finden optimale akustische Bedingungen in unserer Kirche vor. Ein einzelner abgesetzter Lautenton, gespielt in einem extremen Pianissimo, erreicht mit wundervoller Präsenz und Klarheit auch den letzten Platz in unserer Kirche. Hier zeigt die alte Klosterkirche ihre volle Stärke, ihre besondere Akustik. Dies gelingt ihr aber nur, wenn ihr Schiff mindestens zur Hälfte gefüllt ist.


Die Modelle in der Akustik

Was sagen die Fachleute, die Akustiker, zu dem, was wir hören und empfinden?

In der Theorie gibt es neben dem Prinzip des Amphitheaters zwei Modelle von Konzerträumen: Das Schuhschachtel - Modell und das Weinberg - Modell.

Im Amphitheater gibt es kein Echo, kein Hall. Die Worte kommen beim Zuhörer deutlich und verständlich an. Für die Musik entsteht dort jedoch ein trockener Klang, wie man ihn gerne in einem Tonstudio hätte. Es fehlen die Reflexionen, die dem Zuhörer Informationen über den Raum geben; man wird akustisch orientierungslos.

Das Concertgebouw in Amsterdam und der Konzertsaal im Kultur- und Kongresszentrum Luzern entsprechen dem Schuhschachtel - Modell: Der Saal ist ein Quader, dessen Länge doppelt so groß ist wie Breite und Höhe. Die Bühne liegt am Ende der Schachtel. Die Entfernung aller Zuhörer von den Seitenwänden ist relativ gering.

Was macht die gute Akustik eines solchen Saales aus? In einem guten Konzertsaal kommen maximal 5% des Schalls, der das Ohr erreicht, direkt von der Bühne. Der Rest wird mindestens einmal reflektiert. Die vielen einzelnen Wellen, die unterschiedlich lange Laufzeiten hinter sich haben, ergeben den Nachhall, der noch schwingt, wenn der eigentliche Ton bereits verklungen ist. In Konzertsälen sollte er bei 2 Sekunden liegen. (In Kathedralen kann er bei über 10 Sekunden liegen.)

Aber Hall ist nicht alles. Entscheidend sind die frühen Reflexionen, die von einer Seitenwand zurückgeworfen werden. Der frühe Schall sorgt für Präsenz, der späte hüllt uns angenehm ein. Beide Anteile sollten sauber voneinander getrennt sein. Sonst entsteht Klangmatsch.

Der Nachteil in der Schuhschachtel liegt in der Optik: Wer hinten sitzt, hört zwar gut, sieht aber wenig. Man möchte doch die Bewegungen und die Körpersprache der Künstler sehen, die diesen wunderbaren Klang erzeugen. Erst Das Sehen und Das Hören verschaffen uns den vollkommenen musikalischen Genus.

Die Berliner Philharmonie entspricht dem Weinberg - Modell. Hier liegt das Podium fast in der Mitte. Durch die kreisförmige Anordnung um das Orchester herum und den sanften Anstieg der Sitzreihen kann man von allen Seiten her die Musiker gut sehen. Nur die erwünschten frühen Reflexionen sind dort schwer zu erzielen. Wer in der Mitte sitzt, ist weit von einer reflektierenden Wand entfernt. Dies lässt sich nur durch künstliche Reflektoren erzielen, die an der Decke angebracht werden. Schließlich müssen sie dann noch einer Feinabstimmung unterzogen werden, und auch die Musiker müssen dann noch ihre Spielweise dem Saal anpassen.

Das sind die Schwierigkeiten beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg. Aber für Konzertsäle mit mehr als 2000 Plätzen gibt es kein anderes brauchbares Modell.

Beim Weinberg - Modell hat man von allen Plätzen eine gute Sicht, beim Schuhschachtel - Modell auf allen Plätzen einen guten Klang.


Die Klosterkirche eine Schuhschachtel?

Wohl kaum. Sie ist kein Konzertsaal! Sie ist nur eine kleine bescheidene gotische Hallenkirche, ohne Seitenschiff, ohne Verzierungen und Prunk, charakteristisch für ein kleines Zisterzienserinnenkloster. Im Mittelpunkt ihrer Andachten stand mehr das gesungene als das gesprochene Wort.

Sie hat ohne Chor und Empore eine Länge von 14 m und eine Breite von 7 m. Die Höhe beträgt etwa 9 m, wobei die Krümmungen zu den Spitzbögen hin bei 5 m Höhe beginnen. Dazu kommen der Chorraum und der Platz unter der Empore mit einer jeweiligen Tiefe von gut 5 m. In der leeren Kirche beträgt der hörbare Nachhall etwa 2 sec.

Vollbesetzt hat man im Schiff für 140 Menschen Sitzplätze und auf der Empore noch mal für etwa 35. Dann verschwindet die Lautheit der Kirche. Die Musik wirkt auf den Zuhörer angenehm warm und die Tendenz zu tiefen Frequenzen, zum Dicken hin, erzeugt Transparenz und einhüllende Empfindungen. Ein Dank an die alten Baumeister!

Die akustischen Vorzüge unserer Kirche liegen auf der Hand. Die optischen Nachteile - von den hinteren Plätzen aus kann man die Musiker kaum sehen - lassen sich korrigieren. Ideen dazu gibt es schon.